CYANKALI
Cyankali nach Friedrich Wolf
Produktion von Anna Stiede & Panzerkreuzer Rotkäppchen in Zusammenarbeit mit Katalin Gennburg
"Cyankali" ist eine zeitgenössische Neubearbeitung des gleichnamigen Theaterstücks von Friedrich Wolf. Das Projekt untersucht die Frage körperlicher Selbstbestimmung als Gradmesser demokratischer Verhältnisse – historisch wie gegenwärtig. Ausgehend von den Kämpfen arbeitender Frauen* in der Weimarer Republik spannt die Inszenierung einen Bogen in unsere Gegenwart, in der reproduktive Rechte erneut politisch verhandelt, eingeschränkt oder infrastrukturell ausgehöhlt werden. Im Zentrum stehen Perspektiven von Frauen* mit ostdeutscher Biografie.
In der DDR galt seit 1972 die sogenannte "Fristenlösung", die einen Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten zwölf Wochen ermöglichte. Mit der deutschen Wiedervereinigung wurde diese Regelung durch das bundesdeutsche Strafrecht (§218 StGB) ersetzt. Für viele ostdeutsche Frauen* bedeutete dies den Verlust eines zuvor selbstverständlichen Rechts auf körperliche Selbstbestimmung.
Das Projekt arbeitet u.a. in Kooperation mit der DDR-Autorin Annett Gröschner zusammen, die sich in der feministischen Gruppe „Lila Offensive“ gegen die Übernahme des §218 engagierte. CYANKALI versteht sich als performative Aktualisierung eines hochbrisanten Stoffs. Der dramatische Text von Friedrich Wolf wird gelesen, kritisch befragt, verkörpert und kollektiv - unter Mitwirkung eines queeren Laienchors - weitergeschrieben.
CYANKALI spricht ein transgenerationales Publikum an - ein Feminismus affines Publikum, das in theatralen Formaten erkunden möchte, wie eng persönliche Freiheit, sexuelle Selbstbestimmung und politische Systeme miteinander verwoben sind.
"Ja wie. Natürlich will ich vögeln. Ich will vögeln. Sex. USW. Das ist klar. Ich liebe es zu vögeln. Mit Männern auch. Ich liebe es ein warmes pulsierendes Teil in meiner Vulva aufzunehmen. Da hängt meistens ein Mann dran. Darauf zu reiten, das liebe ich. Ists ein Penis, liebe ich ihn zu melken. Melken macht mir Freude. Und an manchen Tagen, da liebe ich es besonders. Da packt mich die Lust noch mehr. Der Mensch ist so gebaut, dass da wo die Lust sitzt, eben auch die Reproduktion von statten geht.
Das kommt gerne durcheinander. Stark ist das Verlangen gerne kurz vor meiner Periode und an den reproduktivsten Tagen, den fruchtbarsten Tagen, wie sie sagen. Das geht gerne durcheinander. Aber nicht bei mir. Vögeln hier, Frucht da. Der Bauplan ist so, aber ich kann meinen Körper benutzen wie ich will. Kann den leben und fühlen und aufteilen wie ich es für richtig halte. Vögeln lieben arbeiten schlafen, ich bin mein eigenes Parlament. Morgen kann alles vorbei sein.
ich brauche dazu keine Erlaubnis. Ich will das, ich mache das. Keiner soll mir das nachtragen, mich in die Pflicht nehmen, die Kinderschulden eintreiben, meine Lust nach Strafgesetzbuch verwalten, Lustgewinn ist Zivilisation, ich bin zivilisiert."
Auszug aus Text "Cyankali", Text: Anna Stiede & Simon Strick
Vorstellungstermine:
30.1.2026 18h im Tschechow Theater Marzahn8.2. & 9.2.2026 in der Grünen Bühne Marzahn Hellersdorf
12.4.2026 17 Uhr in der Grünen Bühne Marzahn Hellersdorf
5.7.2026 20 Uhr im Friedrich-Wolf-Haus in Lehnitz