Mein Ekel ist ein Privileg
–eine Veranstaltungsreihe
„MEIN EKEL IST AKTION“
Projektidee
Das Performance-Spektakel "Mein Ekel ist Aktion" von Panzerkreuzer Rotkäppchen (PKRK) fokussierte Ekel als Körperpraxis in der Performance- und Aktionskunst der DDR.
Im Zentrum standen Arbeiten von Künstlerinnen wie Gabriele Stötzer, Gundula Schulze-Eldowy, Yana Milev. In verschiedenen Formaten hat sich PKRK sich mit deren Aktionskunst auseinandergesetzt, u.a. mit: Reenactment, Tanz, Videokunst.
Die Produktion war das zentrale Ereignis der Reihe "Mein Ekel ist ein Privileg" (Laufzeit 2024-2025) und wurde am 26.04.2025 in Haus 22 auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale Berlin-Lichtenberg uraufgeführt.
Mit vier parallel laufenden Performances, Live-Musik und Video-Installationen verband "Mein Ekel ist Aktion" historische Recherche zu DDR-Aktionskunst, performative Erinnerungspraxis und immersive Zuschauer*innenführung zu einer theatralen Gesamtinstallation.
Das Projekt fand in Kooperation mit der Aktionskünstlerin Gabriele Stötzer, dem Stasiunterlagen-Archiv und der Band des Theater Thikwa statt.
"Mein Ekel ist Aktion" wurde als theatrale Installation realisiert. Haus 22 der ehemaligen Stasi-Zentrale fungierte dabei als begehbares Gesamtkunstwerk mit vier Spielstationen:
Station 1 – Erdgeschoss/Foyer:
Performances von Gabriele Stötzer, die gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern ihrer Aktionsgruppe Exterra XX Aktionen aus den 1980er Jahren variierte. Texte von Überwachung, Vermessungsaktionen, Gesang und persönliche Erinnerungen wurden über 70 Minuten interaktiv mit dem Publikum entwickelt.
Station 2 – 1. Etage/Foyer:
Anna/Lothar von Anna Stiede zeigt eine Performance in Auseinandersetzung mit Gundula Schulze-Eldowys Fotografie Lothar aus dem Photoband Berlin in einer Hundenacht (1985-88). Die Arbeit thematisierte Alkoholismus, Geschlecht, Exhibitionismus und Einsamkeit in der späten DDR.
Station 3 – Großer Saal:
Schulspeisung und Blutwurst mit acht Tänzerinnen: Eine performative Rekonstruktion einer DDR-Schulspeisung mit Bezug auf Yana Milevs Performance »In Aspik« (1988), die Ekel, Essen, Disziplinierung und Körpergrenzen verhandelte.
Station 4 – Frei flottierend:
Hausgeist, verkörpert von Maike Möller-Engemann, fungierte als umherwandernde Service-Instanz. Grundlage waren Texte von Simon Strick, entstanden aus Interviews, Stasi-Unterlagen, Radiomaterial und Erinnerungen von DDR-Performance-Künstlerinnen.
In einem Grand Finale kommen alle vier Stationen zusammen. Das Finale "Aspik-Schlacht" ist eine Auseinandersetzung mit Yana Milevs Performance "In Aspik" (1988). Videoaufnahme "Aspik-Schlacht" ab min. 46:
An den Stationen lagen Infozettel für das Publikum aus. Diese dienten als Hintergrundmaterial und zur selbstständigen Orientierung in der Installation. Veranstaltung versteht sich als Reclaim eines Angstortes, als empowernde Überschreibung durch Kunst – und als Einladung, Ekel als künstlerisches Ausdrucksmittel und Signatur neu zu denken.
Ausgewählte und autorisierte Zeitzeuginnen-Interviews, Gesprächsprotokolle und andere Recherche-Materialien, die im Rahmen der Produktion von der PKRK-Dramaturgie generiert wurden, finden Sie unter: https://miro.com/app/board/ denken.
Produktion Panzerkreuzer Rotkäppchen
Idee, Konzept und künstlerische Leitung Susann Neuenfeldt
Leitende Dramaturgie Simon Strick
Choreographie Kerstin Hurbain, Giorgia Bovo
Leitung Finanzen und Social Media Maria Ullrich
Technische Koordination Kay Volbehr
Sound- und Lichtdesign Holger Duhn
Diskutantinnen Ekel I Kat Köppert, Anna Langhoff, Anna Stiede
Tänzerinnen Ekel II Kerstin Hurbain, Giorgia Bovo, Jenny Helene Wübbe, Dana Bong, Rachel Skipor
Schauspiel Ekel II Sabine Böhm, Anna Stiede, Dorothea Löbbermann, Maike Möller-Engemann
Schauspiel Ekel III Anat Homm, Anna Stiede, Maike Möller-Engemann, Sabine Böhm, Jenny Helene Wübbe
Live-Musiker Ekel II Vincent Martinez vom Theater Thikwa
Live-Musiker Ekel III Almut Lustig
Ton Holger Duhn, Klaus Altenmüller, Lukas Maser
Bühnendesign und Performance Werner Türk, Alison Shea, Susann Neuenfeldt
Produktionsassistenz Isabelle Vogt
Video Sezgin Kivrim
Kooperationspartnerinnen Gabriele Stötzer, Band des Theater Thikwa, Stasiunterlagen-Archiv, panke.gallery