Mein Ekel ist ein Privileg
–eine Veranstaltungsreihe
MEIN EKEL IST EIN PRIVILEG
KONZEPT DER REIHE
Mein Ekel ist ein Privileg ist eine diskursiv-performative Reihe, die vom Berliner Senat für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Zeitraum 2024-25 gefördert wurde.
Auslöser der Reihe war die Formulierung des Springer-Verlagschefs Mathias Döpfner:
Ostdeutsche seien politisch "eklig". Inspiriert von dem berühmten Satz aus Heiner Müllers Hamletmaschine „Mein Ekel ist ein Privileg“ hat sich die Reihe in drei Veranstaltungen diesem "ekligem Osten" gewidmet.
Ekel ist keine Zuschreibung oder Abwehr, sondern körperlicher und produktiver Impuls für Differenz, Widerstand und Kollektivität. Mein Ekel ist ein Privileg umfasste drei Veranstaltungen:
Mein Ekel ist ein Privileg - Auftaktveranstaltung, Ufer Studios, Studio 1
Mein Ekel ist Aktion - Performance in Haus 22, ehem. Stasizentrale
Mein Ekel ist dein Ekel - Performance in der panke.gallery
EKEL I – MEIN EKEL IST EIN PRIVILEG
In der Auftaktveranstaltung wurde Ekel als politische Emotion zwischen Ost und West, zwischen Körper und Macht, Sichtbarkeit und Ausgrenzung ausgelotet.
Es diskutierten Autorin Anna Langhoff, Queer-Theoretikerin Kat Köppert, Performerin Anna Stiede und Dramaturg Simon Strick. Begleitet wurde das Gespräch von einer Performance, die PKRK als Antwort auf Christoph Schlingensiefs "Das Deutsche Kettensägenmassaker" (1990) entwickelt hat.
EKEL II – MEIN EKEL IST AKTION
Das Performance-Spektakel "Mein Ekel ist Aktion" von Panzerkreuzer Rotkäppchen (PKRK) fokussierte Ekel als Körperpraxis in der Performance- und Aktionskunst der DDR. Im Zentrum standen Arbeiten von Künstlerinnen wie Gabriele Stötzer, Gundula Schulze-Eldowy, Yana Milev.
Die Produktion wurde am 26.04.2025 in Haus 22 auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale Berlin-Lichtenberg uraufgeführt. Sie umfasste vier Stationen:
Station 1 – Erdgeschoss/Foyer
Performance von Gabriele Stötzer, die gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern ihrer Aktionsgruppe Exterra XX Aktionen aus den 1980er Jahren variierte. Texte von Überwachung, Vermessungsaktionen, Gesang und persönliche Erinnerungen wurden über 70 Minuten interaktiv mit dem Publikum entwickelt.Station 2 – 1. Etage/Foyer:
“Anna/Lothar” von Anna Stiede zeigte eine Performance in Auseinandersetzung mit Gundula Schulze-Eldowys Fotografie Lothar aus dem Photoband “Berlin in einer Hundenacht (1985-88)”. Die Arbeit thematisierte Alkoholismus, Geschlecht, Exhibitionismus und Einsamkeit in der späten DDR.Station 3 – Großer Saal
Schulspeisung und Blutwurst mit acht Tänzerinnen: Eine performative Rekonstruktion einer DDR-Schulspeisung mit Bezug auf Yana Milevs Performance “In Aspik” (1988), die Ekel, Essen, Disziplinierung und Körpergrenzen verhandelte.Station 4 – Frei flottierend
Der Hausgeist, verkörpert von Maike Möller-Engemann, fungiert als umherwandernde Service-Instanz. Grundlage sind Texte von Simon Strick, entstanden aus Interviews, Stasi-Unterlagen, Radiomaterial und Erinnerungen von DDR-Performance-Künstlerinnen.In einem Grand Finale kommen alle vier Stationen zusammen. Das Finale "Aspik-Schlacht" ist eine Weiterführung von Yana Milevs Performance "In Aspik" (1988). Videoaufnahme "Aspik-Schlacht" ab Min. 46:
An den Stationen lagen Infozettel für das Publikum aus. Diese dienten als Hintergrundmaterial und zur selbstständigen Orientierung in der Installation. Veranstaltung versteht sich als Reclaim eines Angstortes, als empowernde Überschreibung durch Kunst – und als Einladung, Ekel als künstlerisches Ausdrucksmittel und Signatur neu zu denken.
EKEL III – MEIN EKEL IST DEIN EKEL In der dritten und letzten Veranstaltung "Mein Ekel ist dein Ekel" ging es um Ekel als verbindende Bewegung. Diese Veranstaltung wurde als offener Abend der Begegnung gestaltet, u.a. mit Wiedergängerinnen aus „Mein Ekel ist Aktion“ und Live-Performances der bildenden Künstlerin Anat Homm und der Schlagzeugerin Almut Lustig. Die Performance fand statt in der panke.gallery.
WEITERES
Ausgewählte und autorisierte Zeitzeuginnen-Interviews, Gesprächsprotokolle und andere Recherche-Materialien, die im Rahmen der Produktion von der PKRK-Dramaturgie generiert wurden, finden Sie unter: https://miro.com/app/board/
Produktion Panzerkreuzer Rotkäppchen
Idee, Konzept und künstlerische Leitung Susann Neuenfeldt
Leitende Dramaturgie Simon Strick
Choreographie Kerstin Hurbain, Giorgia Bovo
Leitung Finanzen und Social Media Maria Ullrich
Technische Koordination Kay Volbehr
Sound- und Lichtdesign Holger Duhn
Diskutantinnen Ekel I Kat Köppert, Anna Langhoff, Anna Stiede
Tänzerinnen Ekel II Kerstin Hurbain, Giorgia Bovo, Jenny Helene Wübbe, Dana Bong, Rachel Skipor
Schauspiel Ekel II Sabine Böhm, Anna Stiede, Dorothea Löbbermann, Maike Möller-Engemann
Schauspiel Ekel III Anat Homm, Anna Stiede, Maike Möller-Engemann, Sabine Böhm, Jenny Helene Wübbe
Live-Musiker Ekel II Vincent Martinez vom Theater Thikwa
Live-Musiker Ekel III Almut Lustig
Ton Holger Duhn, Klaus Altenmüller, Lukas Maser
Bühnendesign und Performance Werner Türk, Alison Shea, Susann Neuenfeldt
Produktionsassistenz Isabelle Vogt
Video Sezgin Kivrim
Kooperationspartnerinnen Gabriele Stötzer, Band des Theater Thikwa, Stasiunterlagen-Archiv, panke.gallery