41189 Theater der Revolution 

Theatrale Wiederbelebung der ersten freien Demonstration in der DDR am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz

4november89.de





Premiere: 04.11.2019, 18 Uhr auf dem Alexanderplatz



Ich bin ein Wrack. Ich bin ein Wrack. Ich bin ein Wrack.
Ich fliege nicht mehr. Ich esse kein Fleisch.
Ich produziere keinen Plastikmüll.
Ich trinke nicht aus Strohhalmen.
Ich wasche mir die Haare nicht mit Silikon.
Ich zünde keine Wälder an.
Ich verschwende kein Wasser.
Ich mache keine Kinder.
Ich mache mir mein Leben schwer.
Ich gebe Träume auf. Ich streite. (…)
Meine Freunde machen sich über mich lustig. Verzicht ist Verzicht.
Ich esse kein Soja.
Es gibt keinen Ersatz für Gerechtigkeit.
Ich habe ANGST zu fliegen.
Ich habe ANGST abzustürzen.
Ich habe ANGST zu sterben.
Ja, ich habe Angst, dass es schon zu spät ist.
Es gibt ein Recht auf Angst und Panik.

Charlotte Tjaben, aus: Fridays for Future Rede
Originalsprecherin: Marianne Birthler




Der 4.11.1989 als „Theater der Revolution“: Wir hören den alten Reden noch einmal zu, und erzählen ihre Geschichten: die haltlosen Phrasen des ausgepfiffenen Schabowskis, wie Heiner Müller zu seinem Gewerkschaftstext kam, warum Christa Wolf nach der Rede ins Krankenhaus gebracht wurde. 

Wer hielt die Luft an, wer zögerte, wer log, und wer freute sich und wer versuchte zu manipulieren? Wir bauen auf die Versprecher, die Übertreibungen, die Pausen, das Nicht-Staatstragende, und den Witz – die theatralen Details, die diesen Tag als demokratischen Moment von Unten auszeichnen. 

Eine Revolution von der Straße, der man das Improvisierte, das Überraschende, die Überforderung, das Gefühl ansieht.  Wehmut nach diesem Freiheitsmoment soll entstehen, der alles wollte, außer Wiedervereinigung und nationalen Taumel. Wir lassen neue Redner*innen zu Wort kommen, denn niemandem reicht die historische Rekonstruktion: Nostalgie und Gedenken sind keine Antworten auf heutige Probleme und Proteste, das ist 30 Jahre später allen klar. 

Fridays for Future trifft auf Markus Wolf, Gregor Gysi legt die Masken ab und spricht Klartext, eine Deutschtürkin besingt den staatstragenden Rassismus, und ein Punk gibt den Stefan Heym von 2019. 

Wir leiten die Emotionen von 89 in die politischen Forderungen und kollektiven Gefühlslagen von heute.




Künstlerische Leitung & Regie Susann Neuenfeldt
Dramaturgie Simon Strick
Recherchen & Beratung Richard Pfützenreuter, Anna Stiede
Choreographie Maike Möller Engemann
Musikalische Leitung Hans Narva und Band
Bühne Werner Tuerk
Kostüme
Alison Shea
Ton Holger Duhn, Tim Schleinitz
Licht Holger Duhn
PR & Öffentlichkeit Frauke Jürgens
Website Ursula Breindl
Live Camera Kathrin Krottenthaler
Photos David Baltzer, Ronald Spratte
Besonderer Dank an Marianne Birthler, Kulturprojekte Berlin

Sprecherinnen 1989 – 2019
Henning Schaller – Josefin Fischer
Marion van de Kamp – Anna Stiede

Christa Wolf – Dorothea Löbbermann

Markus Wolf – Mereika Schulz

Jens Reich – Jana Olschewski

Heiner Müller/Rosa Luxemburg – Maike Möller-Engemann

Annekathrin Bürger – Fatma Kar/Danja Schilling
Günter Schabowski – Almut Lustig
Gregor Gysi – Johanna Rohloff/Rike Schultze
Marianne Birthler – Charlotte Tjaben
Stephan Heym – Hans Narva
Steffi Spira – Ellen Schernikau (†)

Tanz

Manon Greiner, Isabelle Vogt, Tata Ziegler, Tina Rusin, Susann Schulze, Michelle von Ruschinsky, Mandy Huch, Jessica Hellmann, Helena Renker, Angelina Busch, Rike Schulze, Katja Bienert, Dana Bong, Kirsten Burger, Nina Caarelli, Karin Fiedler, Lin Hektoen, Kerstin Hurbain, Leonie Lefebre, Marina Medvedeva, Georgina Rowsen, Vera Schrankl, Jessica Schwan, Laetitia Toursarkissian, Isabelle Vogt, Tanja Watoro, Kara Wenham, Jenny Helene Wübbe

Band
Chris Fisher, Falk Schönfelder, Konstantin Dupelius, Jakob Enderlein, Alexander Lode, Bettina Drein

Texte
Tina Turnheim, Charlotte Tjaben, Andre Herzberg, Fatma Kar, Ronald Schernikau, Renate Hürtgen, Simon Strick



Die Produktion fand in Kooperation mit der Kulturprojekte GmbH statt.



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